Unterkunft, Verpflegung, Fortbewegung

Wie viel kosten Reisen nach Mittel- und Osteuropa?

Grundsätzlich sind die Lebenshaltungskosten in den Ländern Mittel- und Osteuropas zum einen in den letzten Jahren deutlich gestiegen, zum anderen immer noch wesentlich günstiger als in Deutschland. Dies gilt nicht für alle Produkte, insbesondere nicht für aus dem Westen importierte Markenprodukte, sicherlich aber für Grundnahrungsmittel, öffentliche Verkehrsmittel, Eintritte, Preise in Kinder- und Jugendunterkünften und Gaststätten sowie andere für Kinder- und Jugendreisen relevante Kostenfaktoren. Nicht alle regionalen Unterschiede sind leicht nachvollziehbar. So ist beispielsweise der touristische Alltag in Kroatien unerwartet teuer, in Rumänien hat sich das hohe Preisniveau aus Ostblockzeiten auf unerklärliche Weise gehalten und den Kaffee auf dem Marktplatz von Tallinn können sich nur die wenigsten Einheimischen leisten. Wer sparen will oder muss, ist dennoch in Mittel- und Osteuropa mit etwas Know-how an der richtigen Stelle.

 

Welche Unterkünfte erwarten mich in Mittel- und Osteuropa und wie finde ich sie?

Für die Übernachtung empfehlen sich neben Jugendherberge und Hostels z.B. auch kommunale, verbandliche, gewerkschaftliche oder betriebliche Einrichtungen, die auch für Kinder- und Jugendgruppen zur Verfügung stehen. Daher kann es sinnvoll sein, über vorhandene Partner in den jeweiligen Ländern Informationen einzuholen oder Personen mit entsprechenden Sprachkenntnissen zu bitten, nach günstigen Unterkünften zu suchen. Eine Auswahl geeigneter Kinder- und Jugendunterkünfte hat die Naturfreundejugend auf dieser Seite zusammengestellt.

Viele der preisgünstigen Unterkünfte sind eher funktional eingerichtet. Einige haben Wohnheimcharakter oder sind Wohnheime – viele Universitäten vermieten die Wohnheime über die Sommermonate an Reisende.

Noch immer werden Einzelreisende auf Bahnhöfen oder an Flughäfen angesprochen – auch so ist schon manche Privatunterkunft und manches Hostel- oder Wohnheimbett vermietet worden. Für Gruppen dürfte diese Möglichkeit zu riskant und kurzfristig sein, bei unvorhergesehenen Problemen kann sie jedoch helfen.

Generell ist Camping eine sehr günstige Übernachtungsmöglichkeit in vielen Ländern Mittel- und Osteuropas. Viele Campingplätze verfügen über Hütten, die auch für Reisende ohne Zelt oder Campingwagen nutzbar sind. Gebirgs- und Wanderhütten finden sich z.B. in relativ großer Zahl im Riesengebirge, in den Karpaten oder in der Tatra.

 

Bei internationalen Jugendbegegnungen ist auch eine Unterbringung in Gastfamilien möglich. Hier passiert interkulturelles Lernen von morgens bis abends und ist ein besonders intensives Miterleben des Alltags und der Kultur im Gastland möglich. Allerdings sollte diese Art der Unterbringung niemanden von der Teilnahme ausschließen. Auch erfordert sie ein gewisses Maß an Selbständigkeit bei den TeilnehmerInnen, die sich auf ggf. allein auf eine für sie neue und unbekannte Situation einlassen müssen.

Auch bei einer gemeinsamen Unterbringung in einer Jugendherberge oder auf einem Zeltplatz kann durch die gemischte Belegung von Zimmern oder Zelten ein wichtiger Impuls gesetzt werden. Dies durchkreuzt zwar im ersten Moment oft die Wünsche und Vorstellungen der TeilnehmerInnen, die sich aber bei genauerer Vorstellung und Begründung des Vorschlags häufig überzeugen lassen, dass sie etwas verpassen, wenn sie diese Chance nicht nutzen. Bei Gruppenunterkünften steht ohnehin die Gemeinschaft der ganzen Gruppe stärker im Vordergrund und kann durch gemeinsame Spiele und Aufgaben gefördert oder gar „inszeniert“ werden.

Und was gibt es dort zu essen?

In jedem der Länder Mittel- und Osteuropas gibt es leckere einheimische Gerichte zu entdecken, die einen Teil des Reiseerlebnisses darstellen können und das Land auch mit dem Magen zum Erlebnis werden lassen. Bei Reisen mit Selbstverpflegung kann das gegenseitige Vorführen der Zubereitung von typischen Gerichten ein interessanter Programmpunkt sein. Aber auch ein gemeinsamer Restaurantbesuch kann ein erster Schlüssel zur Kultur eines Landes sein. Oft merken deutsche TeilnehmerInnen erst im Ausland, wie eingefahren sie in ihren Gewohnheiten sind: Wann gibt es kalte, wann warme Mahlzeiten, wann Süßes und wann Herzhaftes, wann etwas zu trinken, und wenn ja, was?

Meckern über das Essen ist zwar in Gruppen beliebt, bei internationalen Jugendbegegnungen kann sich dies allerdings schnell gegen den Partner richten. Daher sollten TeilnehmerInnen lernen ihre Kritik „kultursensibel“ zu äußern und differenzierte Verbesserungsvorschläge zu machen und das Team versuchen, gravierende Kritikpunkte auszuräumen und für den Rest um Verständnis zu werben. Gerade Küchen in großen Unterkünften wird man vor Ort nur wenig beeinflussen können. Daher sollte vor der Reise geklärt werden, wie mit Sonderwünschen umgegangen wird (z.B. Vegetarier, halal-Ernährung – ohne Schweinefleisch – oder fleischarme Kost und frisches Obst und Gemüse).

 

Durchfall oder Bauchschmerzen liegen nicht notwendigerweise an schlechtem Essen. Einige Menschen reagieren auf ungewohntes Essen mit körperlichen Symptomen. Bevor dies schlechte Stimmung in der Gruppe um sich greift, hilft vielleicht ein eher deutscher Tag mit gewohnter Verpflegung der Gruppe, sich bald wieder mutig auf Neues einlassen zu können. Doch das Ziel bleibt, die Abwechslung und Veränderung als einen interessanten und bereichernden Teil der Reise erleben zu können und Nahrungsaufnahme nicht nur zu einer lästigen Notwendigkeit zu machen. Merke: Die Tageszeit hat objektiv keinen Einfluss auf den Geschmack der Dinge – alles andere ist Gewohnheit und veränderbar.

Was müssen TeilnehmerInnen (und ihre Eltern) vor einer Reise nach Mittel- und Osteuropa wissen?

 

TeilnehmerInnen und Eltern sind darauf hinzuweisen, dass im Zielland neben den deutschen Gesetzendie dort gültigen Gesetze und sonstigen Regelungen zu befolgen sind. Dies kann beispielsweise abweichende Altersgrenzen für den Kauf und Konsum von Alkohol und Zigaretten oder den Besuch von Discos und Gaststätten bedeuten, aber auch örtliche Regelungen in Bezug auf Schwimmen, Nacktbaden, Alkoholgenuss oder Picknicks an bestimmten Orten usw.

 

Fast alle EU-Mitgliedsstaaten in Mittel- und Osteuropa gehören inzwischen zum Schengen-Raum, so dass ein Reisepass oder gar Visa zur Einreise nicht mehr erforderlich sind. Auch Reisende z.B. mit türkischer Staatsangehörigkeit, die bei Kinder- und Jugendreisen die größte ausländische Gruppe stellen, benötigen keine Visa, wenn sie in einem Schengenland dauerhaft und uneingeschränkt aufenthaltsberechtigt sind. Auch für Reisen nach Rumänien, Bulgarien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina genügt für deutsche Reisende inzwischen der Personalausweis. Für die übrigen Länder ist ein Reisepass erforderlich, für Russland, Weißrussland, Moldawien und die Ukraine (mit Ausnahmen) sind Visa erforderlich, die vor der Reise besorgt werden müssen. Auch wenn für die Besorgung der Unterlagen zur Einreise die reisende Person (bzw. ggf. die Eltern) verantwortlich sind, ist es sinnvoll alle Teilnehmenden und ggf. die Eltern ausdrücklich auf diese Erfordernisse hinzuweisen. Bei der Besorgung der Visa ist es in den meisten Fällen sinnvoll, dass der Veranstalter diese Aufgabe übernimmt, um den Aufwand insgesamt in Grenzen zu halten.

 

Für ein Visum zur Einreise nach Russland sind z.B. folgende Voraussetzungen erforderlich:

  • Reisepass, der ab Einreise noch eine Gültigkeit von mindestens sechs Monaten hat
  • Angabe von Nachname, Vorname, Geburtsdatum, Passnummer, Ende der Gültigkeit des Passes, genaue Daten der Ein- und Ausreise
  • Nachweis über den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung.

 

Welches Verkehrsmittel ist empfehlenswert?

Am günstigsten ist für eine Kinder- oder Jugendgruppe bei ausreichender Gruppengrößte meist ein angemieteter Bus oder die Nutzung von Fernlinienbussen, mit denen angesichts des zurückgehenden grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehrs inzwischen große Teile Mittel- und Osteuropas von Deutschland aus direkt erreichbar sind. Zwar sind die langen Busreisen anstrengend, ermöglichen aber bereits einen ersten Kontakt zum Gastland und zeigen, wie der überwiegende Teil der Menschen in Mittel- und Osteuropa reist. Die Umweltbilanz eines voll besetzten Reisebusses ist günstig. Innerhalb Deutschlands sind die Fahrzeiten nicht mit dem Zug konkurrenzfähig, in den Ländern Mittel- und Osteuropa kommen Busse oft mindestens so schnell wie Züge voran. Bei einer Anreise mit eigenen oder gemieteten Kleinbussen sind die jeweilige gesetzlichen Bestimmungen zur Personenbeförderung zu beachten.

Die Preise für Zugfahrkarten in Mittel- und Osteuropa liegen deutlich unter denen in Deutschland. Somit ist der Zug nicht nur zur Anreise, sondern vor allem auch vor Ort eine günstige Alternative. Allerdings sind die Fahrzeiten oft lang und unregelmäßig, außer im Vorortverkehr der großen Städte. Einige Länder Mittel- und Osteuropas sind bequem mit Nachtzügen zu erreichen. Für preissensible Reisende empfiehlt es sich häufig, hinter der Grenze auszusteigen und Inlandsfahrkarten oder Sonderangebote und Netzkarten der jeweiligen (meist staatlichen) Bahngesellschaft zu nutzen bzw. dies im Vorfeld zu organisieren. Grenzüberschreitende Fahrausweise sind häufig mit einem Aufpreis versehen und einige Ermäßigungen gelten für sie nicht. Die Umweltbilanz der Bahn ist ebenfalls im Vergleich positiv.

In den letzten Jahren sind die Länder Mittel- und Osteuropas nach und nach zu wichtigen Zielen von sogenannten Billigflügen geworden, zunächst vor allem die touristisch attraktiven Ziele des Städtetourismus, inzwischen aber auch die Flughäfen in anderen einwohnerstarken Regionen. Neben dem hohen Kostenrisiko bei Stornierungen und Umbuchungen fällt vor allem die schlechte Umweltbilanz als Faktor gegen Flugreisen ins Gewicht.

Übrigens: Die Reise gehört natürlich auch schon zum Programm der Begegnung oder Kinder- und Jugendreise. Ihr könnt sie also nutzen, um bereits Gruppenprozesse anzustoßen oder eine erste Einstimmung ins Gastland zu ermöglichen. Das geht natürlich im Bus und im Zug am besten.