Estland
1.1 Landeskennzeichen
1.2 Internationale Telefon-Vorwahl
1.3 Allgemeine Informationen
1.4 Informationen zum Staatsaufbau
1.5 Einreise- und Zollbestimmungen
1.6 Währung und Geldwechsel
1.7 Gesundheit
1.8 Botschaften und Konsulate
1.9 Wichtige Telefonnummern
2.1 Tourismus
2.2 Tourismus-Informationen
2.3 Links zum Thema Tourismus
2.4 Verkehr
2.5 Unterkünfte
2.6 Einkaufsmöglichkeiten, Essen und Trinken
2.7 Links: Weitere Informationen
3.1 Jugendarbeit und Jugendpolitik
3.2 Jugendschutz, kinder- und jugendrelevante Gesetze, altersbezogene gesetzliche Bestimmungen
3.3 Weitere Informationen
3.4 Schulsystem und Bildungswesen
4.1 Natur und Umwelt
4.2 Großschutzgebiete
4.3 Welterbestätten
1. Übersicht
1.1 Landeskennzeichen: EST
1.2 Internationale Telefon-Vorwahl: +372
1.3 Allgemeine Informationen
Hauptstadt: Tallinn/Reval (ca. 396.000 Einwohner)
Weitere wichtige Städte: Tartu (ca. 102.000 Einwohner), Narva (ca. 67.000 Einwohner)
Religionen: konfessionslos (ca. 70 %), Protestanten (ca. 13,6 %), Russisch-Orthodoxe (12,8 %), andere (ca. 3,6 %)
Amtssprache: Estnisch, in immer geringerem Umfang gilt russisch auch als Geschäftssprache
Währung: Estnische Krone (EEK/kr) (estnisch: Eesti kroon, Pl. krooni) (100 Sent (Pl. Senti) = 1 Krone)
Geographische Lage: Estland liegt in Nordeuropa zwischen Lettland und Russland. Es ist ein Anrainerstaat der Ostsee.
Estland ist seit dem 01.05.2004 Mitglied der EU.
1.4 Informationen zum Staatsaufbau
parlamentarische Republik (seit 1992)
1.5 Einreise- und Zollbestimmungen.
Nach dem Beitritt Estlands zur Europäischen Union benötigen deutsche Staatsangehörige zur Einreise nach Estland nur noch einen gültigen Reisepass oder Personalausweis. Der Kinderausweis muss unabhängig vom Alter des Kindes mit einem Lichtbild versehen sein. Ist das Kind im Pass eines Elternteils eingetragen, muss in diesem ab dem Alter von 7 Jahren ein Lichtbild angebracht werden. Um Verzögerungen bei der Einreise zu vermeiden, wird empfohlen, auch schon bei Kindern unter 7 Jahren ein Lichtbild im Reisedokument anbringen zu lassen. Auf Grenzkontrollen im Personenverkehr wird seit 2004 durch den Beitritt zum Schengen-Raum verzichtet. Deutsche, die von Estland aus nach Russland einreisen möchten, erhalten von der russischen Botschaft in Tallinn nur dann ein Visum, wenn sie in Estland wohnhaft sind. Wenn man plant nach Russland einzureisen, muss man sich daher das erforderliche Visum auf jeden Fall bereits in Deutschland besorgen. Reisende, die von Russland aus nach Estland einreisen und anschließend nach Russland zurückreisen möchten (z.B. St. Petersburg - Tallinn - St. Petersburg), sollten unbedingt darauf achten, im Besitz eines Visums für zwei bzw. mehrere Einreisen zu sein. Entsprechendes gilt z.B. für Reisen über das Kaliningrader Gebiet und die baltischen Staaten nach St. Petersburg.
In Estland besteht ein gesetzliches Verbot auf öffentlichen Plätzen Alkohol zu trinken. Verstöße dagegen werden mit Geldbußen bestraft.
1.6 Währung und Geldwechsel
Die Estnische Krone EEK/kr (100 Sent = 1 Krone) wurde im Juni 1992 als nationale Währungseinheit eingeführt.
Der Leitkurs liegt bei 1 Euro = 15,65 EEK. Das heißt der Kurs wird stabil in einem Spielraum von +/- 15 % um diesen Kurswert gehalten. Wechselkurse im Internet unter www.oanda.com/convert/classic.
Geld sollte man erst vor Ort in Estland tauschen. Auf diesem Wege kann man sicher sein, einen guten Kurs zu erhalten; die Bankspesen in Estland sind nicht sehr hoch. Bei einigen Banken und Wechselstuben werden Reiseschecks akzeptiert. Von den sehr zahlreich vorhandenen Geldautomaten können Sie mit Ihrer EC- oder Kreditkarte Bargeld abheben.
Es gibt Banknoten zu 1, 2, 5, 10, 25, 50, 100, 500 Kronen und Münzen zu 5, 10, 20 und 50 Senti, sowie zu 1 und 5 Kronen. Die Ein-Kroon-Note ist heute nicht mehr im Umlauf, da sie durch die gleichwertigen Münze aus Messing 1998 ersetzt wurde. Die silberne 1-kr-Münze wurde aus dem Verkehr gezogen, weil sie mit der 1-Mark-Münze in Größe und Gewicht übereinstimmte. In Deutschland wurde sie deshalb gerne an Automaten als Mark-Ersatz eingeworfen.
Zum 1. Januar 2008 plante Estland die Umstellung auf den Euro. Da die Inflationsrate dies nicht zuließ, wird die Gemeinschaftswährung wohl erst frühestens 2009 die Estnische Krone ablösen.
Weitere Informationen zu diesem Thema unter www.eestipank.info /Homepage der Nationalbank Estlands.
Die meisten Geschäfte, Hotels, Restaurants u. ä. akzeptieren die gängigen Kreditkarten, wie Visa, Eurocard, Mastercard, Diners Club International, seltener American Express.
1.7 Gesundheit
Estland ist Endemiegebiet der Frühjahr-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME), so dass für Risikogruppen und bei Langzeitaufenthalten eine vorherige Schutzimpfung nach ärztlicher Beratung empfehlenswert ist. Schutz gegen Borreliosebieten hautbedeckende Kleidung und insektenabweisende Mittel.
Estlandreisenden wird empfohlen, sich vor Reiseantritt gegen Hepatitis A impfen zu lassen, bei Langzeitaufenthalten über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten auch gegen Hepatitis B. Für Kinder und Jugendliche wird allgemein eine Hepatitis B-Impfung empfohlen. HIV/Aids ist im Land ein großes Problem und eine große Gefahr für alle, die Infektionsrisiken eingehen: Sexualkontakte, unsaubere Spritzen oder Kanülen können ein erhebliches Gesundheitsrisiko bergen. Tollwut kommt landesweit vor. Überträger sind u.a. Hunde, Katzen, Waldtiere und Fledermäuse. Für Rucksackreisende, Kinder, berufliche Risikogruppen und bei längeren Aufenthalten wird eine Impfung empfohlen. Bei Bisswunden so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Wegen der Infektionsgefahr mit Magen-Darmkrankheitenist auf eine sorgfältige Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene zu achten. Fleisch- und Fischgerichte sollten nur gut durchgekocht und heiß serviert gegessen werden. Gemüse sollte gekocht und Obst geschält werden.
Die medizinische Grundversorgung ist meistens in Ordnung. Es besteht in Estland für alle Personen, die in Deutschland gesetzlich versichert sind, ein Anspruch auf Behandlung – soweit dringend erforderlich – bei Ärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern usw., die vom ausländischen gesetzlichen Krankenversicherungsträger zugelassen sind. Als Nachweis ist die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) bzw. Ersatzbescheinigung (beide Dokumente sind bei der Krankenkasse erhältlich) vorzulegen. Unabhängig davon wird dringend empfohlen, für die Dauer des Auslandsaufenthaltes eine Auslands-Krankenversicherung abzuschließen, die Risiken abdeckt, die von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen werden (z.B. notwendiger Rücktransport nach Deutschland im Krankheitsfall, Behandlung bei Privatärzten oder in Privatkliniken).
1.8 Botschaften und Konsulate
Botschaft der Republik Estland
Adresse: Hildebrandstraße 5, 10785 Berlin, Deutschland
Telefon: +49 (0) 30 254 606 00
Fax: +49 (0) 30 254 606 01
E-Mail: eemebeaeseseye.ebeeereleiene@emefeae.eeeee
Website: www.estemb.de/
Bürozeiten: Mo. - Fr. 09.00-13.00, 14.00-16.00 Uhr Mo. - Fr. 09.30-12.30 Uhr – Konsularabteilung
Adresse: Toom-Kuninga 11, 15048 Tallinn, Estonia
Telefon: +372 6275 303, +372 6275 300
Fax: +372 6275 305
E-Mail: oteoaeoleoleoieoneoneo@eogeoeeoreomeoaeoneoyeo.eoeeoee
Website: www.tallinn.diplo.de/Vertretung/tallinn/de/Startseite.html
Bürozeiten: Mo, Mi, Do, Fr 9.00- 12.00 Uhr, Di 9.30- 12.30 Uhr und 14.00- 16.00 Uhr
Telefonnummer für dringende Notfälle außerhalb der Öffnungszeiten +372 50 12560
Die Adressen sämtlicher Konsulate und der Außenstellen können unter www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laender/Estland.html bei Vertretungen Estland und Deutsche Vertretungen abgerufen werden.
1.9 Wichtige Telefonnummern
Feuerwehr/Rettungsmannschaft: 112, Polizei: 110, Pannendienst (EAK), Tel: Tallinn +372 6979111
Telefonauskunft (englischsprachig): 1182
Landesvorwahl von Deutschland nach Estland: +372
Landesvorwahl von Estland nach Deutschland: +49
Nutzbarkeit deutsche Mobiltelefone
GSM 900/1800 Mobilfunknetz. Hauptanbieter die auch mit den meisten deutschen Anbietern Roaming-Verträge haben: AS EMT (EMT GSM), Elisa Mobiilsideteenused AS und Tele2 Eesti AS. Genauere Informationen können unter www.gsmworld.com/roaming/gsminfo/cou_ee.shtml abgerufen werden
2. Reiseinformationen
2.1 Tourismus
Touristisch ist Estland gut erschlossen. Kulturtouristen kommen primär in Tallinn auf ihre Kosten. Dort kann man auch ganz gut shoppen gehen. Ansonsten hat Estland vor allem viel Landschaft und Naturschönheiten zu bieten. An der Ostseeküste kann man im Sommer mit ein wenig Glück auch einen richtigen Strandurlaub verbringen, dazu muss allerdings das Wetter mitspielen, dass meist dem in Norddeutschland entspricht.
Sitz der bedeutendsten estnischen Universität ist Tartu, die zweitgrößte Stadt des Landes. Ihre Bürger genießen den Ruf, eher besonnen zu sein und dazu zu neigen, sich zurückzulehnen und bei einem Glas Bier über Gott und die Welt zu philosophieren. Neben der Altstadt beherbergt Tartu auch weitere Sehenswürdigkeiten.
Auf dem ca. 200 km langen Weg von Tallinn nach Narva, der östlichsten Stadt des Landes, kommt man an vielen mittelalterlichen Schlössern, wieder instand gesetzten Gutshäusern und einigen Wasserfällen vorbei. Der alte Vorposten Narva, am gleichnamigen Fluss gelegen, der die Grenze zwischen Estland und Russland bildet, ist ein Ort, an dem zwei Kulturen aufeinander treffen, wodurch eine interessante Kombination aus Ost und West entsteht. Die Narvaer Burg, von der man einen guten Ausblick auf den Fluss hat, ist ein Wahrzeichen der Region. Sie ist ein Zeugnis für Estlands ereignisreiche und manchmal tragische Geschichte.
Im Süden des Landes sind Põlva und Võru interessante Ausflugsziele. In diesen aus dichtgedrängten Holzhäuser bestehenden Siedlungen der Setus, eines sehr ursprünglichen und altertümlichen Volksstammes, fühlt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Die Setus konnten ihre Sprache und Kultur über die Jahrhunderte bewahren und sind besonders für ihre farbenprächtigen Trachten und ihre wehmütigen Runenlieder bekannt.
In Estland findet man einige Beispiele aus den verschiedenen Epochen der Baukunst. Als Beispiel für die gotische Bauweise die Kirche von Karja auf der Insel Saaremaa, in der sehr viele Skulpturen stehen, und die Johanniskirche in Tartu; beispielhaft für die Renaissance in Estland stehen die Gebäude der Schwarzhäupter-Bruderschaft Tallinn; der Festsaal des Kadriorger Schlosses repräsentiert die Zeit des Spätbarock; das Rathaus und die Hauptgebäude der Universität in Tartu sind in klassizistischem Stil gehalten; im Jugendstil wurde das Estnische Dramatische Theater in Tallinn erbaut und abschließend für die kleine Zeitreise sind das im Funktionalismus der 30er Jahre gebaute Pärnuer Strandhotel und das Tallinner Kunstgebäude zu nennen.
Die Esten besannen sich zwar erst mit der entstehenden Nationalbewegung im 19. Jahrhundert wieder auf ihre Wurzeln, so fand zum Beispiel die estnische Sprache wieder vermehrt Verwendung in der Literatur und verdrängte das bis dahin bestimmende Deutsch. Doch mittlerweile werden die alten Sitten und Gebräuche in ganz Estland wieder sehr gepflegt. Nicht nur die häufigen Kultur-Veranstaltungen sind deshalb für Interessierte einen Besuch wert, sondern auch die ausgelassenen Feste - wie etwa die überall mit Sonnwendfeuern und viel Fröhlichkeit gefeierte Johannesnacht. „Baltica“ ist ein internationales Folklorefest, das jedes Jahr in der Hauptstadt eines anderen Baltischen Staates stattfindet. Eine der beliebtesten Veranstaltungen ist das bekannte Tallinner Altstadtfest (im Juni). Auf dem Rathausplatz gibt es dann einen großen Kunstmarkt. Es gibt aber auch Ausstellungen und Aufführungen verschiedener Theaterstücke.
2.2 Tourismus-Informationen
Baltische Zentrale für Fremdenverkehr Estland – Lettland – Litauen
Adresse: Woldenserstr. 36, 25813 Husum
Telefon: 04841 3004
Fax: 04841 2109
National Park Karula
Adresse: Ähijärve, Antsla municipalità, 66405 Võru, Estonia/Eesti
Telefon: +372 78 52456 oder +372 78 28 350
Fax: +372 78 28 350
Telefon (mobil): +372 5251552
E-Mail: 4ki4ii4ri4ii4@i4ki4ai4ri4ui4li4ai4ri4ai4hi4vi4ui4si4pi4ai4ri4ki4.i4ei4ei
Website: www.karularahvuspark.ee/
Telefon Tourismusinformation: +372 32 95 555
E-Mail: siusnusfusous@uslusaushuseusmusausaus.usnuseustusius.useuseu
Website: www.lahemaa.ee
Nationalpark Vilsandi
Adresse: Kihelkonna, 93401 Saaremaa
Telefon: +372 45 46 510 oder +372 45 23 007
Fax: +372 45 23 007
Website: www.saaremaa.ee
2.3 Links zum Thema Tourismus
www.visitestonia.com/index.php?page=5 – hier kann man auch die Adressen der vielen kleinen örtlichen Touristeninformationszentren abrufen
www.etfl.ee/en/index.shtml (Estonian Association of Travel Agencies)
www.baltichostels.net/eyha.html
destinia.com/guide/die-welt/europa/estland/1-30004-30080/main/de
www.marcopolo.de/europa/estland/
2.4 Verkehr
Alle aktuellen Zugverbindungen kann man sich – auf Wunsch mit allen Zwischenhaltestellen – über die Reiseauskunft der Deutschen Bahn anzeigen lassen (reiseauskunft.bahn.de/bin/query.exe/dn). Zu beachten ist, dass dabei natürlich auch Verbindungen vorgeschlagen werden, bei denen man durch Länder reist, für die ein Visum nötig ist. Man sollte also den Zuglauf beachten. Informationen zu den entsprechenden Ländern finden Sie auf traveleast.eu jeweils unter Punkt 1.5 (Einreise- und Zollbestimmungen).
Es gibt direkte Busverbindungen zwischen Tallinn und
- Stuttgart über Frankfurt, Kassel und Berlin,
- München über Nürnberg und Berlin,
- Köln über Essen, Hannover und Berlin und
- Berlin über Hamburg und Kiel.
Eurolines-Busse fahren von und nach Estland. Fahrplan- und Tarifinformationen sind bei der estnischen Eurolines-Generalvertretung (Eurolines Estonia, Website: www.eurolines.ee) oder der Eurolines-Vertretung in Deutschland (Deutsche Touring GmbH, Adresse: Am Römerhof 17, D-60486 Frankfurt/M., Telefon: (069) 79 03 50, Fax: (069) 790 32 19, E-Mail: service@deutsche-touring.com, Website: www.deutsche-touring.com) erhältlich.
Die Via Baltica (E67, Website: www.viabaltica.net) stellt eine Landverbindung zwischen Deutschland und Finnland dar und führt über 1500 km durch Polen und die Baltischen Staaten durch Seen- und Waldgebiete, sowie entlang der Bernsteinküste bis nach Tallinn. Die großen Städte wie Vilnius, Riga und Tallinn sind über die zum Teil gut ausgebaute durch sie miteinander verbunden.
Mehrere weitere Verbindungsstraßen führen an der Ostseeküste entlang über Litauen und Lettland nach Estland; ferner gibt es Straßenverbindungen in die Russische Föderation. Anreise mit dem Pkw über Polen und Belarus bzw. Polen und Litauen. Grenzübergänge: Terespol (Polen), Brest (Belarus) und Ogrodniki (Polen), Lazdijai (Litauen).
Die Silja Line (Telefon: (0451) 589 92 22 in Lübeck, Website: www.silja.com) bietet dreimal wöchentlich eine Verbindung von Rostock nach Tallinn und Helsinki (nur zwischen Mai und September; Fahrzeit 25 Std.) an. Superfast Ferries (Website: www.superfast.com) verbindet Rostock mit Paldiski (Fahrtzeit: 21 Std.). Weitere Reedereien, die Estland anlaufen, sind: Linda Line Express (Website: www.lindaliini.ee), Nordic Jet Line (Schnellboot) (Website: www.njl.ee) und Viking Line(Website: www.vikingline.fi) von Helsinki, Tallink von Stockholm und Helsinki (Website: www.tallinnk.se). Tallinn wird täglich von Helsinki mit Tragflächenbooten angesteuert. Estland wird inzwischen auch immer häufiger von Kreuzschiffen angelaufen (Website: www.portoftallinn.ee).
Die nationale Fluggesellschaft Estonian Air (OV) (Website: www.estonian-air.ee) bietet Linienflüge ab Berlin (Tegel), Hamburg und Frankfurt nach Tallinn an.
Von Frankfurt, Wien und Zürich fliegen Finnair (Website: www.finnair.ee), Air Baltic(Website: www.airbaltic.com), Czech Airlines (Website: www.csa.cz), Scandinavian AirlinesSAS (Website: www.sas.ee), von Frankfurt fliegen außerdem Air France (Website: www.airfrance.com), Delta Airlines (Website: www.delta.com) nach Tallinn.
Der internationale Flughafen Tallinn (TLL) (Website: www.tallinn-airport.ee) liegt 4 km außerhalb der Stadt. Eine 24-Stunden-Fluginformation gibt es unter der Nummer (06) 05 88 88. Es bestehen regelmäßige Busverbindungen (Linie 2) im 20-Minuten-Takt zwischen 07.00 und 00.00 Uhr zur Innenstadt (Fahrzeit 15 Min.). Es gibt außerdem einen Taxistand vor dem Flughafen. Flughafeneinrichtungen: Duty-free-Shop, Bank, Tourist-Information, Postamt, Restaurant, Snackbar und Mietwagenschalter.
Fortbewegung innerhalb des Landes
Das Verkehrsnetz ist gut ausgebaut. Die Straße und die Schifffahrt auf der Ostsee spielen die wichtigste Rolle. Im innerestnischen Personenverkehr spielt die Eisenbahn nach ihrer gescheiterten Privatisierung und der anschließenden Stilllegung zahlreicher Strecken kaum noch eine Rolle. Der überörtliche öffentliche Verkehr wird nunmehr fast vollständig durch Überlandbusse abgewickelt.
PKW und Motorräder müssen auch am Tag mit Abblendlicht fahren. Es besteht absolutes Alkoholverbot am Steuer und Gurtpflicht für alle Fahrzeuginsassen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt innerorts bei maximal 50 km/h, auf den Landstraßen bei 90 km/h und auf den Autobahnen bei 100 oder 110 km/h. Neben dem jeweiligen nationalen Führerschein wird die Internationale Grüne Versicherungskarte benötigt.
2.5 Unterkünfte
In Estland gibt es für alle Ansprüche und jeden Geldbeutel adäquate Unterkünfte. Vom 5-Sterne-Hotel im obersten Preissegment über Apartments und Ferienwohnungen für Familien mit variierenden Preisen bis hin zu relativ günstigen Jugendherbergen und Jugendhotels ist alles vorhanden.
Der estnische Jugendherbergsverband (Estnian Youth Hostel Association, Adresse: Tatari 39-307, 10134 Tallinn, E-Mail: 0a20y20h20a20@20o20n20l20i20n20e20.20e20e2) ist mit dem internationalen Verband assoziiert. Der Deutsche Jugendherbergsverband empfiehlt ein Internet-Buchungsdienst unter www.hihostels.com.
Die Angebote des estnischen Verbands für Landtourismus sind unter www.maaturism.ee abrufbar. MTÜ Eesti Maaturism, Vilmsi 53B, 10147 Tallinn; E-Mail: ie3ie3is3it3ii3i@3im3ia3ia3it3iu3ir3ii3is3im3i.3ie3ie3i.3
2.6 Einkaufsmöglichkeiten, Essen und Trinken
Die Versorgung Estlands mit Nahrungs- und Genussmitteln ist gut, das ständig erweiterte Netz von Supermarktketten sorgt für ein leicht zugängliches Angebot. Die Lebensmittelläden, aber auch die mittleren bis größeren Geschäfte anderer Branchen haben im Allgemeinen täglich (auch sonntags!) bis 20 Uhr geöffnet, Supermärkte oft sogar bis 23 Uhr. Darüber hinaus gibt es etliche Lebensmittelgeschäfte, in denen man rund um die Uhr einkaufen kann. Ein Ladenschlussgesetz gibt es in Estland nicht. Das Preisniveau in Estland ist für osteuropäische Verhältnisse verhältnismäßig hoch. Hier machen sich das steigende ökonomische Potenzial des Landes und die enge wirtschaftliche Bindung zum – ohnehin teuren – skandinavischen Markt bemerkbar. Für Besucher aus dem Westen ist Estland aber dennoch ein preisgünstiges Reiseziel.
Regionale Spezialitäten (z.B. aromatischen Honig, diverse Käsesorten, bisher unbekannte Quarkvarianten oder natürlich das dunkle Kümmelbrot ...) lassen sich auf zahlreichen Märkten finden.
Bernsteinschmuck ist ein klassisches Mitbringsel aus dem Baltikum. Dieses ist jedoch häufig nicht aus Estland selbst. Typisch hingegen sind leichte Wollschals aus dem Ort Haapsalu.
Die Esten verstehen sich auf die Holzverarbeitung, so dass man hier schöne Stücke erwerben kann. Auch die handgemachten ledernen Bucheinbände sind bemerkenswert. Generell findet man in Estland viele gute Kunsthandwerker aller Richtungen. So gibt es neben den Werkstätten die Leder und Holz verarbeiten auch viele Webereien, Glasbläsereien, Tuchmacher und Töpfereien. Überall kann man Skulpturen aus Metall oder Stein und Bilder erwerben. Die Werkstätten sind über das ganze Land verteilt, als Zentren könnte man Tallinn, Pärnu, Tartu und Võru bezeichnen.
In den größeren Städten (sprich Tallinn, Tartu, Narva, Kohtla-Järve und Pärnu) kann man selbstverständlich auch sehr schön bummeln und „gewöhnliche“ Alltagsgegenstände einkaufen.
Estnische Gastronomie
Die Speisen und Essgewohnheiten in Estland unterscheiden sich nur wenig von denen in Mittel- und Westeuropa. Fisch, vor allem Lachs, Dorsch, Hering, Seezunge, Hecht, Barsch oder Weißfisch, wird allerdings sehr häufig serviert, auch als Vorspeise. Ansonsten gibt die Küche einige deftige Fleisch und Pilzgerichte mit Kartoffeln in allen Variationen und herzhaften Soßen her. Im Sommer ist die Auswahl an Salaten, Gemüse und kalten Suppen, z.B. Rote Beete-Suppe mit Dill, groß.
Estnische Nationalgerichte sind Täidetud Basikarind (gefüllter Kalbsbraten), Pirukad, eine mit Fleisch und Gemüse gefüllte Teigtasche und Rosolje, ein Kartoffelsalat mit Roter Beete, eingelegten Rüben und Hering. Sauerkrautsuppe wird mit Sauerrahm „veredelt“.
Zu Weihnachten werden traditionell Verivorst (schwarze Blutwurst), Sülze, Sült (Kalbfleisch in Aspik), ein Braten oder Gans, Kohl, Kartoffeln und Roggenbrot gegessen, sowie selbstgemachtes Bier getrunken.
Bier ist allgemein weit verbreitet in Estland. Es gibt viele einheimische Sorten, von denen einige recht hochprozentig und damit ziemlich stark sind. Im Supermarkt bezahlt man um die 0,50 Euro, in Restaurants ab 1,50 Euro. Stärkere Getränke sind ziemlich teuer – aber scheinbar immer noch billig genug, um täglich Tausende Finnen anzulocken.
Als unbedingt probierenswert wird auch der dunkelrote Likör „Vana Tallinn“ angesehen, den man in fast allen Alkoholläden kaufen kann.
Gerade kleinere Imbisse verkaufen oft die üblichen russischen „Snacks“ wie Pelmeni und Piroggen. Diese kleinen Läden sind verhältnismäßig günstig.
Als weitere estnische Besonderheit wäre noch Kama – geschrotetes Getreide, das man in Buttermilch einrührt und mit Honig süßt – zu erwähnen. In Cafés sieht man oft auch kleine Stücke eines dunkelbraunen Kuchens, der ein bisschen an Brownies erinnert. Er enthält kandierte Früchte und Rosinen.
2.7 Links: Weitere Informationen
3. Jugendarbeit
3.1 Jugendarbeit und Jugendpolitik
Weil das Verwaltungssystem trotz vorhandener Zielgruppen entlang von Lebensbereichen organisiert ist, d.h. die Programme eine vertikale statt einer horizontalen Orientierung haben, gibt es in Estland kein Jugendministerium. Verschiedene Ministerien teilen sich die Zuständigkeit. Es gibt in Estland im Zusammenhang mit Jugendlichen vier wichtige Politikbereiche: Bildung, Familie, Arbeitsmarkt und Jugendarbeit (Natürlich ist diese Liste nicht vollständig, weil es mehrere Themen wie beispielsweise Wehrpflicht, Umweltfragen etc. gibt, die von diesen Politikfeldern nicht abgedeckt werden.). Die Politik in den Bereichen Bildung und Jugendarbeit wird vom Ministerium für Bildung und Forschung betrieben und umgesetzt und die Familien und Arbeitsmarktpolitik im Ministerium für Soziales. Die anderen, an Jugendfragen beteiligten Ministerien sind das Innenministerium (Jugendpolizei, jugendliche Straftäter), das Kultusministerium (Sport und kulturelle Bewegungen), das Verteidigungsministerium (Vorbereitung der männlichen Jugendlichen auf den Wehrdienst) und das Justizministerium (Koordinierung der präventiven Verbrechensbekämpfung). Mehr zum Thema auf: www.coe.int/t/e/cultural_cooperation/youth/5._information_services/forum_21/N2_Estonia-ger.pdfeh
Jugendarbeit und Jugendverbände
Nach der politischen Wende in Osteuropa und der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit musste sich auch in Estland erst einmal eine selbstständige Jugendverbandsstruktur entwickeln. Seit 1995 existiert in Estland ein Gesetz über den Status von gemeinnützigen Organisationen. Gemäß dieses Gesetzes können sich Organisationen staatlich registrieren lassen und, sofern sie auf nationaler Ebene tätig sind, staatliche Zuschüsse erhalten. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Organisationen und Verbänden, die im Kinder- und Jugendbereich arbeiten. Ihre Mitgliederzahl und ihr Einfluss variieren stark.
Das damalige Bildungsministerium (jetzt Bildungs- und Forschungsministerium) hat 1998 in Zusammenarbeit mit dem Estnischen Jugendinitiativzentrum und der damaligen „Jugend für Europa“-Nationalagentur eine Broschüre herausgegeben, die einen Überblick über die Jugendorganisationen im Land geben soll, „Estonian Youth Associations and Organisations dealing with Youth“, Estonian Ministry of Education 1998.
Die mitgliederstärksten Verbände sind die Pfadfinder- und Studentenvereinigungen, sowie mit 4 000 Mitgliedern das Estnische Jugendrotkreuz. Hier einige Links:
Estnischer Pfadfinderverband: www.skaut.ee
Estnischer „4H“-Verband: www.eesti4h.ee
Estnischer YMCA (Christlicher Verein junger Menschen): www.ymca.ee
Vereinigung der estnischen Studentenvertretungen: www.escu.ee
Eine der größten Dachorganisationen bei den Jugendverbänden ist die „Offene Republik“ (Avatud Vabariik). Mit rund 700 Mitgliedern repräsentiert sie den Großteil der Jugend- und Schülervertretungen. Der Verband macht Programme zur Bürgerbildung, zur Organisation von Schülervertretungen und zur Verbesserung der Qualität der Bildung bei nationalen Minderheiten in Estland (insbesondere der russischen).
Eine nationale Dachorganisation für den Bereich der Jugendsozialarbeit gibt es in Estland nicht. Im Wesentlichen übernimmt das Zentrum für Jugendarbeit Estlands (Eesti Noorsootöö Keskus) koordinierende Tätigkeiten auf dem Gebiet der sozialen Jugendarbeit. Diese Tätigkeiten umfassen Maßnahmen der Integration unterprivilegierter Jugendlicher, das Erstellen von Infomaterialien und die Durchführung von Schulungen sowie verschiedene weitere Programme und Projekte.
Die rund 50 Jugendzentren haben sich in einem Dachverband zusammengeschlossen, dem Eesti Avatud Noortekeskuste Ühendus. Unter Federführung des Eesti ANK wird das Modell des offenen Jugendzentrums weiterentwickelt, er übernimmt gewerkschaftliche Aufgaben und ist an nationalen jugendpolitischen Fragen beteiligt.
Im „Runden Tisch estnischer Non-Profit-Organisationen“ (estnisch: Mittetulundusühenduste Ümarlaud) sind die verschiedenen Dachorganisationen und regionalen Verbände (unter anderem Jugendverbände) zusammengeschlossen, um den nicht-kommerziellen Sektor als Ganzes zu repräsentieren und den Mitgliedern in der Öffentlichkeit eine Stimme zu verleihen.
Für die Koordinierung eines Teils der Jugendpolitik in Estland hat das Bildungs- und Forschungsministerium eigens das Youth Department eingerichtet.
Die Estonian National Agency – Euroopa Noored Eesti büroo koordiniert in Estland das europäische Förderprogramm Jugend.
Des Weiteren bestehen Partnerschaften zwischen Schulen in Deutschland und den baltischen Staaten. Weitere Informationen unter www.annaberg.de/baltinfo/de-bildung7.html
Estland hat außerdem unter anderem bilaterale Abkommen im Bereich der Jugendarbeit mit Ägypten, Belgien, Deutschland, Finnland und Russland abgeschlossen. Mehr Informationen dazu unter vana.hm.ee/uus/hm/client/index.php?1.
Über das Ostseejugendbüro, das Netzwerk für Jugendaustausch rund um die Ostsee, sind weitere Informationen zu den baltischen Staaten und zu Kooperationen im Ostseeraum erhältlich.
3.2 Jugendschutz, kinder- und jugendrelevante Gesetze, altersbezogene gesetzliche Bestimmungen
Die Jugendarbeit in Estland wird durch das Gesetz über Jugendarbeit (Estonian Youth Work Act) vom 1. April 1999 geregelt. Durch das Gesetz wird das Bildungs- und Forschungsministerium mit der Koordinierung folgender Aufgaben betraut:
- Vorbereitung staatlicher Programme für die Jugend
- Unterstützung der Jugendverbände
- Koordination der Jugendcamps
- Koordination des Informations- und Beratungssystems für Jugendliche
- Forschung in Jugendfragen etc.
Das Gesetz stellt in der Ausführung sämtlicher Aufgaben ausdrücklich den Jugendlichen selbst in den Mittelpunkt.
Weitere jugendrelevante Gesetze sind das Schulgesetz, das Verbandsgesetz, das Bildungsgesetz und noch viele andere Gesetze oder gesetzliche Bestimmungen, die in Teilbereichen die Jugend betreffen.
Gemäß dem estnischen Jugendgesetz werden alle jungen Menschen zwischen 7 und 26 Jahren als Jugendliche bezeichnet und können im Bereich der Jugendarbeit in den Genuss von Fördermitteln kommen.
In Estland besteht für die so genannte primary und diebasic secondary education Schulpflicht, d.h. für die Altersgruppe der 7- bis 16-Jährigen. Weitere altersbezogene gesetzliche Bestimmungen liegen derzeit nicht vor.
3.3 Weitere Informationen
Weitere Informationen und Adressen von Jugendverbänden und Organisationen, sowie zu Kinder- und jugendpolitischen Strukturen sind unter www.dija.de/ (> Länderinfos >Ländername) zu finden.
3.4 Schulsystem und Bildungswesen
Die estnische Regierung misst den Bereichen Bildung und Ausbildung, aber auch dem identitätsstiftenden Ressort Kultur hohe Priorität bei. Während das vielfältige und anspruchsvolle kulturelle Angebot, vor allem in der Hauptstadt, aber auch zunehmend in den Regionen, günstige Bedingungen im Kulturbereich dokumentiert, ist die Situation im Bildungsbereich geprägt durch finanzielle Engpässe und strukturelle Probleme. Angesichts deutlich unter dem Durchschnittseinkommen liegender staatlicher Gehälter nimmt die Abwanderung junger qualifizierter Kräfte, auch Lehrer, ins Ausland und in den Privatsektor zu.
Das Bildungs- und Erziehungssystem in Estland wurde seit der Neugründung der Republik in zahlreichen Reformen erneuert. Die generellen Strukturen des Bildungssystems werden durch das Parlament festgelegt. Das Bildungs- und Forschungsministerium ist für die Entwicklung und Durchführung staatlicher Bildungsprogramme und die Gewährleistung des Bildungsstandards verantwortlich. Die alte Regierung (bis Januar 2002) hatte in ihrem Koalitionspapier dem Ausbau des Erziehungssystems eine bedeutende Rolle zugemessen. Unter dem Schlagwort "Erziehung ist eine Investition in die Zukunft" wurden zahlreiche Maßnahmen genannt, die getroffen werden sollten, um das estnische Erziehungssystem den Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen.
Im Vergleich zum Bildungswesen, das bis zum Ende der 80er Jahre bestand, wurden zwei wesentliche Neuerungen eingeführt. Zum einen hat eine neunjährige Grundschulpflicht die Schulpflicht an weiterführenden Schulen ersetzt. Zum anderen wurden im Hochschulbereich neben den Universitäten als weitere Ebenen College-ähnliche Bildungsformen mit einer Studiendauer von vier Jahren eingeführt. Als Alternative zu den bestehenden öffentlichen Schulen sind private Bildungseinrichtungen entstanden.
Das estnische Bildungswesen besteht aus dem Vorschulbereich, den Grundschulen (Primarbereich), den weiterführenden Schulen (Sekundarbereich), den berufsbildenden Schulen, dem Hochschul-/Universitätsbereich und der Erwachsenenbildung. In allen Schulen ist die Unterrichtssprache entweder Estnisch oder Russisch.
Allgemeine Infos zur Bildungspolitik in Estland auf der Site des Bildungsministeriums unter www.hm.ee/ (auf Englisch).
Die Schulpflicht beginnt mit dem siebenten Lebensjahr. Der Primarbereich umfasst vier Jahrgangsstufen. Der daran anschließende Sekundarbereich gliedert sich in weiterführende Schulen der Sekundarstufe I mit den Klassenstufen 5-9 (Mittelschulen) und in Höhere Weiterführende Schulen mit den Stufen 10-12 (Sekundarstufe II). Für alle Kinder in Estland besteht eine Schulpflicht für die Stufen 1-9 (Primarbereich und Sekundarbereich I). Die SchülerInnen müssen die Schule bis zum Abschluss der neunjährigen Grundausbildung besuchen beziehungsweise bis zum Alter von 17 Jahren. Das Abschlusszeugnis der Sekundarstufe I (Mittelschule ) berechtigt zum Besuch der nächst höheren Ebene. Die SchülerInnen können anschließend zwischen zwei Schulformen wählen – dem höheren Sekundarbereich (Sekundarstufe II/Klassenstufe 10-12) oder der berufsbildenden Schule. Einige berufsbildende Schulen bieten in Ergänzung zur Berufsbildung auch den Lernstoff des höheren Sekundarbereichs an. Der Abschluss des höheren Sekundarbereichs berechtigt zum Studium an den Universitäten oder privaten Hochschulen.
Das Gesetz über die Weiterführenden Schulen und Gymnasien, das im September 1993 verabschiedet wurde, führte die Gymnasien als wesentliche Struktureinheiten des höheren Sekundarbereichs ein, sie ersetzten die bisherigen weiterführenden Schulen. Einige Gymnasien (Schulzeit drei Jahre/Klassenstufen 10 bis 12) für SchülerInnen, die die Vollzeitpflicht erfüllt haben, wurden bereits eingerichtet. Diese Schulform gab es während der vergangenen fünfzig Jahre nicht. Gemäß dem oben erwähnten Gesetz wird der Unterricht in den staatlichen und kommunalen Gymnasien ab dem Jahr 2007 vollständig in estnischer Sprache erfolgen. Schulen des grundlegenden Sekundarbereichs I (Klassenstufe 5 bis 9) werden ihren Unterricht entweder in estnischer oder russischer Sprache fortführen. Bei SchulabgängerInnen der russischsprachigen Sekundarstufe I wird vorausgesetzt, dass sie ausreichende Estnischkenntnisse besitzen, um das Gymnasium besuchen zu können.
Das Gesetz über die kulturelle Autonomie nationaler Minderheiten, das zeitgleich im Herbst 1993 verabschiedet wurde, gewährt nationalen Minderheiten die Möglichkeit, private Gymnasien einzurichten, an denen in einer anderen Sprache als Estnisch unterrichtet wird.
(Quelle: www.dija.de/cgi-bin/showcontent.asp?ThemaID=725, Autor: Niels Meggers, IJAB e.V.)
Der Abschluss des höheren Sekundarbereichs des estnischen Schulsystems berechtigt zum Studium an den Universitäten oder anderen Bildungseinrichtungen des tertiären Bereichs. In Estland gibt es derzeit 28 Universitäten und Hochschulen, an denen 1997 etwa 28 000 Studierende eingeschrieben waren. In der Regel sind Aufnahmeprüfungen obligatorisch. Auf staatlicher Seite verfügt Estland über acht Hochschulen. Daneben haben sich in den vergangenen Jahren einige private Hochschulen etablieren können. Neben den Universitäten (Ülikool) existieren nicht-akademische Lehreinrichtungen (Rakenduskorgkool), die hauptsächlich berufliches Wissen und Fähigkeiten vermitteln.
Anfang der 90er Jahre zeigten sich gemäß einer Studie (University Graduate 1992) die Studierenden in Estland eher unzufrieden mit dem Angebot an den Universitäten. Die Studierenden wünschten sich mehr Unterricht in ausländischen Sprachen, mehr Computertraining und generell ein größeres Angebot an akademischen Disziplinen. Ihre Meinung bezüglich der angewandten Lehrmethoden war: zu viele Vorlesungen, zu wenig praktische Arbeit und zu wenig Seminare. In der Zwischenzeit haben sich an den Universitäten Estlands große Veränderungen ergeben, die eine neuerliche Studie sicherlich anders aussehen lassen würden. Die Universitäten sind mittlerweile besser mit Computern ausgerüstet und haben vor allem zahlreiche neue akademische Fächer eingeführt. Im Rahmen der Hochschulreform verabschiedete das Parlament im Juni 2002 außerdem Änderungen zum Hochschulgesetz und den damit zusammenhängenden Rechtsvorschriften, mit denen das standardisierte zweistufige System (B.A. - M.A.) eingeführt wurde. Die meisten Hochschulen gingen im Studienjahr 2002/2003 zu der neuen Struktur der Abschlüsse über. Dennoch sind weitere Verbesserungen notwendig, hängen aber nach wie vor von der finanziellen Ausstattung ab, die den Universitäten und der Bildung allgemein eingeräumt wird.
Nach dem Besuch der Grundschule und Sekundarstufe I besteht in Estland die Möglichkeit, sich für den Besuch einer weiterführenden Schule (Gymnasium) zu entscheiden oder aber eine Berufsausbildung zu beginnen.
Die Berufsausbildung wird zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr absolviert. Es existieren sowohl offizielle staatliche Berufsschulen als auch vom Staat anerkannte private Berufsschulen. Nach dem Abschluss der Berufsschule kann man eine so genanntepost-secondary technical school absolvieren, die zum Besuch der Universitäten befähigt.
Im Jahre 1999 entschieden sich 26% aller AbgängerInnen der Mittelschulen für die Fortführung ihrer Bildungslaufbahn an den Berufsschulen.
4. Natur und Kultur
4.1 Natur und Umwelt
Estland besitzt eine buchtenreiche Küstenlinie von 3794 km Länge. Vor der Küste liegen zahlreiche größere und kleinere Inseln, insgesamt etwa 1500. Die größte dieser Inseln ist Saaremaa mit einer Fläche von 2671 km²; Hiiumaa hat 989 km², Muhu 198 km², Vormsi hat eine Fläche von 93 km². Estland ist ein relativ flaches Land; die höchste Erhebung im Südosten des Landes ist der Suur Munamägi (318 m). Das Land hat insgesamt etwa 1400 Binnenseen, von denen der Peipsi järv (Peipussee), durch den auch die Grenze zu Russland verläuft, mit fast 150 km Länge der größte ist. Neben den Seen gibt es in Estland viele große und kleine, oft noch vollständig unberührte Moorgebiete. Insgesamt bedecken die Moore über ein Fünftel der Fläche Estlands.
Das flache Land wird von zahlreichen Flüssen durchzogen, von denen die meisten im Höhenzug Pandivere entspringen. Viele dieser Flüsse fließen in breiten Urstromtälern. Einer der kuriosesten Orte ist hierbei Viljandi. Durch den See an dessen Ufer die gleichnamigen Stadt liegt, verläuft eine Wasserscheide. Das Wasser des Sees fließt zum einen Teil zur estnischen Westküste, zu einem anderen Teil in den Peipsi järv. Bei Narva gibt es einen zwei andere Flüsse verbindenden Fluss, der einmal in die eine, ein anderes Mal in die andere Richtung fließt.
Weiter im Landesinneren entstand eine vielgestaltige Moränenlandschaft. Eine besondere Form der Moränen sind die Drumlins; elliptische, langgestreckte Hügel, die aufgrund der Risse in der Unterseite des Gletschers parallel zur Gletscherbewegung entstanden sind. Diese Hügel findet man besonders häufig auf dem Höhenzug Pandivere und in Vooremaa; in den oft abflusslosen Senken zwischen den Drumlins haben sich Seen und Sümpfe gebildet.
Im Südwesten Estlands ist die geologische Situation etwas anders: Auf dem etwas härteren Fundament des roten Devon-Sandsteins hinterließen die Gletscher der letzten Eiszeit deutliche Spuren. Daher findet man zwar ebenfalls die für das Land so typischen Moränen, aber diese Landschaft ist von Flusstälern durchzogen, an deren Ränder Sandsteinaufschlüsse zu sehen sind. Die abwechslungsreichen Landschaften bieten sich mit ihren Flüssen, Schluchten, Seen und Hügeln für ausgedehnte Spaziergänge oder auch längere Wanderungen an.
Im 45.227 km² großen Estland leben nur 31,9 Einwohner/km² (z. Vgl. Deutschland: 227,8 Einwohner/km²), von den etwas 1,35 Millionen Einwohnern Estlands wohnen allein ca. 36% in den beiden Städten Tallinn und Tartu. So verwundert es nicht, dass man neben Hirschen, Rehen, Füchsen, Elchen (ca. 2500), Bibern, Mardern, den sehr seltenen Schneehasen (ca. 200) und vereinzelten Rentieren, in diesem menschenleeren Raum auch auf Braunbären (ca. 800), Wölfe (ca. 600) oder Luchse (ca. 2000) stoßen kann – oder zumindest auf deren Spuren.
Immer wieder hört man vereinzelt von Hunden und Schafherden, die angeblich von Wölfen angefallen werden. Wolf, Bär und Luchs sind in Estland zur Jagd freigegeben, wobei der Beitritt zur EU hier – in Estland oft kritisierte – Einschränkungen gebracht hat, zumal es sich bei der Luchsjagd um reinen "Sport" handelte.
Auffällig ist der reiche Baumbewuchs Estlands, rund 44 % der Landesfläche sind bewaldet.
4.2 Großschutzgebiete
Der Karula-Nationalpark liegt im Süden von Estland an der Grenze zu Lettland in der Nähe der Stadt Valga. Die Landschaft ist von sanften Bergen, Seen und Sümpfen durchzogen. Als Naturschutzgebiet 1979 gegründet wurde das Gebiet 1993 zum Nationalpark erklärt.
Der Nationalpark Lahemaa befindet sich im Norden Estlands 70 km östlich von Tallinn. Der Nationalpark umfasst eine Fläche von 112.011 ha. Das Ziel der Nationalparkverwaltung ist die Erhaltung der typischen Landschaft Nordestlands mit ihren ausgedehnten Wäldern, Sümpfen und Seen. Hier finden sich zahlreiche seltene Pflanzen, die auf der „Roten Liste“ stehen. In dieser Gegend befinden sich auch viele alte deutsche Gutshöfe. Kulturelle Sehenswürdigkeiten sind u.a. die Gutshäuser mit Parkanlagen in Palmse, Vihula und Sagadi, der Dorfkrug in Viitna und das Dorf Altja mit den alten Fischerhäusern. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der größte Wasserfall Estlands. Der Park wurde 1971 als erster Nationalpark der Sowjetunion gegründet, um die nordestnische Landschaft, das dortige Ökosystem und die Artenvielfalt zu schützen und zu erhalten. Im Gebiet des Nationalparks leben auch ca. 150 Elche, außerdem Luchse und Biber, die an den zahlreichen Bachläufen und kleinen Seen ein ideales Revier finden.
Der Lahemaa Nationalpark gliedert sich in unterschiedliche Schutzzonen, jene die auf Wegen bzw. Straßen für WandererIn, RadfahrerIn und AutofahrerIn ganzjährig zugänglich sind, jene die saisonal (besonders im Frühjahr zur Brutzeit der Wasservögel) gesperrt werden und schließlich in Totalreservate, die von Menschen nicht betreten werden dürfen, und in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt. In den vergangenen Jahren wurden verstärkt Anstrengungen unternommen, um das Gebiet für den sanften Tourismus attraktiver zu machen.
Der Nationalpark Matsalu befindet sich im Westen Estlands. Seine Fläche beträgt 48.610 ha und umfasst das Gebiet der Bucht von Matsalu, die umliegenden Landgebiete, den Unterlauf des Flusses Kasari und das artenreiche Seegebiet Väinameri mit seinen über 50 Inseln.
Das Naturschutzgebiet Matsalu wurde 1957 gegründet, 2004 erheblich vergrößert und zum Nationalpark aufgewertet. Heute gehören zu ihm auch die Naturschutzgebiete von Puhtu-Lahelatu und Nehatu, sowie die Landschaftsschutzgebiete von Tuhu und Lihula.
Der Nationalpark wurde vor allem als Schutzgebiet für die zahlreichen Vogelarten eingerichtet. Heute werden 275 verschiedene Vogel-, 49 Fisch- und 47 Säugetierarten verzeichnet. Darüber hinaus gibt es eine reiche Flora mit 772 teils seltenen Pflanzenarten.
Der Soomaa-Nationalpark liegt im Südwesten des Landes und wurde 1993 gegründet. 1997 erfolgte die Aufnahme in die Ramsar-Liste der Feuchtgebiete; 1998 wurde Somaa für das UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen. Er umfasst geschützte Sümpfe, Überflutungswiesen und Wälder in Mittelestland. Der 37.000 ha große Nationalpark bestehend aus vier großen Mooren im Einzugsgebiet des Pärnu. Charakteristisch für den Park ist die sogenannte „fünfte Jahreszeit“ – regelmäßige Überflutungen zwischen Winter und Frühling.
Der Nationalpark Vilsandi befindet sich an der Westküste der Insel Saaremaa ca. 35 km nordwestlich der Stadt Kuressaare und umfasst die Region um die Insel Vilsandi, die Buchten Atla, Kihelkonna und Kuusnõmme. Außerdem gehört zu ihm die weitere umgebende Meereswelt mit etwa 160 geschützten Inseln und Inselchen. Der Nationalpark Vilsandi ist einer der ältesten Nationalparks Estlands (seit 1971), ging aus einem bereits 1910 gegründeten Vogelschutzreservat hervor und erstreckt sich über eine Fläche von 16.657 ha.
Kulturelle Sehenswürdigkeiten im Bereich des Parks sind u.a. das Herrenhaus des aus der Mitte des 18. Jh. stammenden Gutshofs Pidula, die Wassermühle und der Teich von Pidula, das Mihkli-Bauernhofmuseum in Viki und die Michaelskirche in Kihelkonna.
Vor allem die Vogelwelt des Nationalparks ist beeindruckend. Über 250 verschiedene Arten wurden registriert. 112 Vogelarten nisten in dem Gebiet. Prägend für den Nationalpark sind selbstverständlich die unberührten Inseln, auf denen die Seevögel ungestört leben und nisten können.
4.3 Welterbestätten
Altstadt von Tallinn (Reval) (K/1997)
Das Zentrum der Altstadt von Tallinn bildet der Rathausplatz (estn.: Raekoja plats), der von dem 1322 erstmals erwähnten gotischen Rathaus und anderen stattlichen Gebäuden umschlossen wird. Von der öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform des Rathauses bietet sich ein hervorragender Blick über Stadt, Hafen und Meerbusen. Das Wahrzeichen Tallinns – die Figur des Stadtknechts „Alter Thomas“ (estn.: Vana Toomas) – schmückt seit 1530 die Turmspitze.
Gegenüber befindet sich die Ratsapotheke (estn.: Raeapteek), 1422 erstmals erwähnt und damit eine der ältesten Apotheken der Welt. Sehenswert sind weiterhin die Nikolaikirche (estn.: Niguliste kirik), ein schönes Beispiel der im 13. Jahrhundert verbreiteten „Kaufmannskirchen“ (der Dachstuhl der Kirche diente als Warenlager), die Hl. Geist-Kirche (estn.: Pühavaimu kirik) mit ihrem spätmittelalterlichen Flügelaltar des Lübecker Meisters Hermen Rode und einem Fragment des Totentanzgemäldes von Bernt Notke, die Olaikirche (estn.: Oleviste kirik), benannt nach dem norwegischen König Olaf II., der die Christianisierung Nordeuropas betrieb sowie die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale (estn.: Aleksander Nevski katedraal) mit ihren weithin sichtbaren Zwiebeltürmen, die 1894 bis 1900 als Sinnbild der Russifizierung Estlands erbaut wurde.
Von der mittelalterlichen Burg auf dem Domberg (estn. Toompea loss) sind nur noch die nördliche und westliche Mauer sowie drei Türme erhalten, darunter der „Lange Hermann“ (estn.: Pikk Hermann). Daneben befindet sich das repräsentative Schloss, dessen wesentliche Umbauten im 18. Jahrhundert von der russischen Zarin Katharina II. veranlasst wurden. Heute ist es Sitz von Parlament und Regierung.
Struve-Bogen (K/GÜ/2005)
Mit der Aufnahme des Struve-Bogens verzeichnen gleich zehn Länder einen gemeinsamen Eintrag in der Welterbeliste: Belarus, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, die Republik Moldau, Norwegen, Russland, Schweden und die Ukraine. Der Struve-Bogen ist eine Kette von geodätischen Messstationen von Hammerfest am Nordkap bis Ismail am Schwarzen Meer. In der Welterbeliste repräsentieren 34 der 265 Messstationen das gemeinsame Erbe der beteiligten Länder. Der Astronom Friedrich Georg Wilhelm Struve führte von 1816 bis 1855 die Meridianmessung durch und überbrückte eine Länge von 2820 Kilometern. Die Messung diente der exakten Bestimmung der Größe und Form unseres Planeten und war ein bedeutender Schritt für die Geowissenschaften. Der Struve-Bogen ist ein außergewöhnliches und frühes Beispiel für internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit.

